Fundstücke

Fundstücke

Armin Nassehi über die sog. ‚Generation Upload‘: „Einen echten Kulturbruch der ‚Generation Upload‘ stellt ihr Verzicht auf zentrale Steuerungs- oder Kontrollinstanzen dar. Das Internet ist ein großer Gleichmacher, Hierarchien sind weitgehend unbekannt, die User begegnen sich in der Regel auf Augenhöhe. In dem Augenblick, in dem der klassische Gegensatz zwischen Produktions- und Rezeptionsästhetik verschwindet, verliert ein Medium seine Eigenschaft als potenzielles Herrschaftsinstrument. Der Internet-User hat heute per Knopfdruck die Möglichkeit, sowohl im Internet verbreitete Inhalte zu rezipieren als auch eigene Inhalte zu verbreiten. Und wo jeder sein eigenes Programm machen kann, sind Programmdirektoren überflüssig. Allein die User entscheiden in einem fortlaufenden dezentralen und netzwerkhaften Prozess darüber, ob sich ein Programm durchsetzen kann oder in der Versenkung verschwindet. … Bis heute wird das Internet häufig als ‚virtuelle Welt‘ bezeichnet. Mit dem Erwachsenwerden der ‚Generation Upload‘ muss die synonyme Verwendung der beiden Begriffe überdacht werden. Denn die Aufteilung unserer Kommunikationskultur entlang realer oder künstlicher Grenzen ist ihrerseits künstlich. Die ‚Generation Upload‘ hat die Errungenschaften des Internets fest in ihr gesellschaftliches Leben integriert – Webciety und Society sind zwei Seiten derselben Medaille. Mit großer Selbstverständlichkeit werden die Freiheiten genutzt, die das Internet bietet: Den Freiraum, sich in öffentliche Diskurse einzuschalten. Den Freiraum, die eigene Kreativität auszuleben. Und den Freiraum, die eigene Persönlichkeit zu inszenieren. Insofern ist die ‚Generation Upload‘ auch als Begründerin einer eigenen Lebensform zu begreifen, deren bedeutendstes Kennzeichen ihre immense Aktivität ist. Kein Grund also, pessimistisch zu sein.“